Der Bildhauer Wieland Förster, der in Dresden geboren wurde und heute bei Berlin lebt, wurde zu Beginn diesen Jahres 90 Jahre alt. Nur wenigen Bildhauern ist es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts geglückt, der lange zurückreichenden Geschichte der menschlichen Figur in der Kunst wirklich neue Aspekte hinzuzufügen. Wieland Förster konnte dies gelingen, weil er die Ideen der Bildhauerkunst der Moderne und deren Bemühen, die sichtbare Welt nicht zu illustrieren, sondern deren Ordnung zu erforschen, nicht als Irrweg ablehnte.

In der DDR kann sich Wieland Förster den offiziell erwarteten Illustrationen des politischen Tagesgeschehens entziehen, indem er seine Kunst, immer wieder mit dem Blick in die Natur und Landschaft, an humanistischen Grundwerten festmacht. Er hat darauf hingewiesen, dass sich all seine plastischen Formen aus

dem Ei als geometrischer Grundform und als Symbol des Lebens herleiten. Dies macht insgesamt den romantischen Grundzug seiner Werke erklärlich.

Es sind zwei Hauptthemen, um die sich das Schaffen Wieland Försters spannt: Liebe und Tod, verkörpert in Frau und Mann. Hinter dieser Polarisierung steckt die persönliche Leiderfahrung jener Generation, die viel zu jung aus dem Leben und in den Krieg gerissen wurde, und auf die sich anschließend noch die Schuldfrage der Geschichte legte. Auf seiner Bronzetür im Kunstmuseum, an der Hochsäuligen Kapelle, mit dem Titel „Freuden und Leiden“, hat der Bildhauer diesen Spannungsbogen seines Schaffens gezeichnet. Er durchzieht ebenso die Werkbeispiele diese Ausstellung, wie sein umfangreiches literarisches Schaffen.

Die Ausstellung zeigt eine Auswahl aus dem umfangreichen Sammlungsbestand dieses Bildhauers im Kunstmuseum. Die Mehrheit der ausgestellten Werke entstand in den 1960er/70er Jahren und macht heute sichtbar, wie Zeitgeschichte in Kunstgeschichte übergeht. Zentrale Werke im bildhauerischen Schaffen Wieland Försters, wie der „Große schreitende Mann“ von 1969, die „Porträtstele Erich Arendt“ oder die „Große Neeberger Figur“ von 1974, befinden sich im Skulpturenpark des Kunstmuseums.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 10:00 - 17:00 Uhr
Samstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informatione direkt unter: kunstmuseum-magdeburg.de

W. Förster, Umarmung II, 1973, Foto: Thea Henkel
21.05. - 30.08.2020

Wieland Förster: Das Leben beschreiben. Ausstellung zum 90. Geburtstag

Kunstmuseum Kloster Unser Lieben Frauen

Regierungsstraße 4-6
39104 Magdeburg