Die Soloausstellung zeigt die Arbeiten der in Moskau lebenden Künstlerin Taus Makhacheva. In ihrem umfassenden Werk finden sich verschiedene Medien wie Installationen, Fotografie, Video und Performance wieder. Mit einem spielerischen und humorvollen Unterton setzt sich Makhacheva mit dem Alltag in ihrer Heimat Dagestan auseinander und reflektiert Feierlichkeiten sowie alltägliche Rituale.

„Makhachevas vermeintlich eindeutige Metaphern enthalten immer ein dichtes Geflecht kultureller und historischer Verweise, deren Vielschichtigkeit sich erst in der Wahrnehmung ihres Gesamtwerks allmählich erschließt“, sagen die Leiter des Edith-Russ-Hauses, Edit Molnár und Marcel Schwierin, die die Ausstellung kuratiert haben.

Viele von Taus Makhachevas Projekten beruhen in hohem Maße auf Kooperationen. Durch einen kollektiven Entstehungsprozess versucht sie besondere Wege zum Verständnis von Geschichten und Ideen zu entwickeln. Die Ausstellung im Edith-Russ-Haus ist eine Weiterentwicklung dieser experimentellen Herangehensweise. Zu ihren Strategien gehört es, Materialien aufzulösen, die Mauern von Institutionen zu durchdringen und die Räume zu öffnen, in die sie eingeladen wurde – indem sie die von ihr gesammelten Geschichten und Stimmen vervielfacht.

Teil der Ausstellung ist die Inszenierung von „Super Taus“. Mit ihrem Alter Ego wird die Künstlerin zur Superheldin. So bietet Makhacheva dem Publikum die Möglichkeit, viele verschiedene Welten zu bereisen, indem sie die Ohnmacht in einen lebensbejahenden Wortschatz verwandeln. „Mit der Kleidung einer Bergbewohnerin und den namensgebenden schwarzen Schuhen liefert sie einen poetischen Verweis auf die Beharrlichkeit ihrer Praktiken und der Bejahung des Alltagslebens. Mit dieser Einstellung gelingt es, Hindernisse zu überwinden und das heroische in den Alltag einzuschieben“, erklären die Kuratoren.

Taus Makhacheva ist unter ihrem eigenen Namen, als Super Taus oder in Zusammenarbeit mit dem Kurator Sabih Ahmed als Superhero Sighting Society tätig.

Taus Makhacheva (geboren 1983 in Moskau, Russland, lebt in Machatschkala und Moskau) ist eine Künstlerin, die insbesondere für ihre Performance und Videokunst bekannt ist. Ihre Arbeiten wurden bereits weltweit gezeigt, unter anderem im Tate Modern (London), Von Abbemuseum (Eindhoven), Centre Pomidou (Paris), Uppsala Konstmuseum (Uppsala), Moscow Museum of Modern Art (Moskau) und Red Brick Art Museum (Beijing). Zudem waren ihre Arbeiten bei der Biennale von Venedig, der Manifesta in Palermo sowie bei der Liverpool Biennial zu sehen.
Sie ist Trägerin des Kunstpreises „Europas Zukunft“, der ihr von der Galerie für Zeitgenössische Kunst in Leipzig verliehen wurde. 2016 wurde Makhacheva mit dem Kandinsky-Preis für zeitgenössische Gegenwartskunst ausgezeichnet.


Wegen der coronabedingten Einschränkungen wird dieser Ausstellungsbeginn am 8. Juli etwas anders als üblich sein. Die Künstlerin Taus Makhacheva darf leider nicht einreisen und wird stattdessen eine Videogrußbotschaft senden. Die Corona-Regeln erlauben es, dass zehn Gäste gleichzeitig die Ausstellung betreten dürfen. Um die Wartezeiten möglichst kurz zu halten, müssen sich Besucherinnen und Besucher per E-Mail an info@edith-russ-haus.de oder per Telefon unter 0441 235-3208 für einen bestimmten Zeitraum anzumelden. Die Zeiträume beginnen jeweils zur vollen Stunde, also um 18, 19, 20, 21 und 22 Uhr.

Super Taus, (Untitled 2), 2016, Video documentation in 4 parts © Taus Makhacheva
09.07. - 04.10.2020

„Sturdy Black Shoes“: Alltagshelden im Blick

Edith-Russ-Haus

Katharinenstr. 23
26121 Oldenburg