Mit dem Ausstellungstitel ‚Everything is going to be alright’ wird ein Versprechen oder eine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, die aktueller nicht sein könnte, obwohl dieser Titel weit vor der Covid-19-Pandemie ausgewählt wurde. Er ist der flammenden Rede der damals 12-jährigen Kanadierin Severn Cullis-Suzuki entnommen, die 1992 – ähnlich der skandinavischen Klimaaktivistin Greta Thunberg 2019 vor dem EU- Parlament in Straßburg – die Delegierten des ersten Weltklimagipfels in Rio de Janeiro sprachlos machte. Die beiden Künstler Andreas Greiner (*1979, lebt und arbeitet in Berlin) und Maximilian Prüfer (*1986, lebt und arbeitet in Augsburg) nähern sich aus sehr unterschiedlichen Richtungen dem Thema des fehlenden Gleichgewichts in unserem Umgang mit der Umwelt beziehungsweise Natur. In beinahe wissenschaftlichen Versuchsanordnungen untersuchen sie die Einflüsse des Menschen auf die biologischen Prozesse unserer Erde und damit wiederum auf uns. Für die Ausstellung sind neue Installationen, Fotografien und Skulpturen entstanden. Eine dokumentarische Videoarbeit stellt die Künstler und ihre Arbeiten vor.

Neben einer hängenden Baumschule1 zeigt Greiner eine mehrteilige Installation zum Thema Wald. Die Abbildungen sowie eine Videoarbeit wurden von einer künstlichen Intelligenz geschaffen. Die KI wurde dafür vom Künstler mit unzähligen Aufnahmen aus dem Hambacher Forst und dem nicht minder gefährdeten polnisch-weißrussischen Bialowieza-Urwald gefüttert. Andreas Greiner reiste mehrfach nach Nordrhein- Westfalen in die Nähe seiner Heimatstadt Aachen, um dort im Hambacher Forst zu kampieren, zu fotografieren und für das Überleben des Waldes vor der Braunkohlegrube zu demonstrieren. Einige der Arbeiten sind mehrschichtig aufgebaut und zeigen über der Fotografie Berechnungen zur Kompensation von CO2- Ausstößen.

Maximilian Prüfer macht durch seine Werke Natur sichtbar, wie wir sie selbst nie erleben würden. Die Arbeiten in der Ausstellung thematisieren die Auswirkungen des Menschen auf unser Ökosystem anhand des Bienensterbens in einer hoch gelegenen Bergregion Sichuans. Hier sind Menschen in Folge ihres massiven Pestizideinsatzes seit den 1980er Jahren gezwungen, die Arbeit der Bienen zu übernehmen, um Ernteausfälle zu vermeiden. Die Bestäubung der Obstbäume erfolgt auch heute noch mühsam händisch mittels Hühnerfedern und gesammelter Blütenpollen. Prüfer reiste sowohl zur Zeit der Bestäubung als auch der Ernte in diese Region und erwarb einen Birnbaum, den er auch selbst bestäubte. Fotografien, Objekte wie Bestäubungswerkzeuge, Pollengefäße und Transportkörbe sowie der Abguss „seiner“ geernteten Birne führen uns die gesellschaftlichen und politischen Dimensionen der durch unser Handeln ausgelösten ökologischen Störungen vor Augen.

Maximilian Prüfer, Ernte, 2018, Fotoprint, 5 + 2 AP, 46,5 x 70 cm, © Maximilian Prüfer
09.09. - 29.10.2020

Doppelpass IV: Andreas Greiner und Maximilian Prüfer – 'Everything is going to be alright'

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