Das Kupferstichkabinett der Hamburger Kunsthalle besitzt einen herausragenden Bestand druckgraphischer Serien, die mit Ausnahme von Andy Warhols (1928–1987) Siebdrucken, bisher nur selten oder noch nie gezeigt worden sind. Die Ausstellung SERIEN bietet die Möglichkeit, diese verborgenen Schätze in Kombination mit einigen ergänzenden Leihgaben zu erleben und einen neuen Blick auf das serielle druckgraphische Medium in seiner Tradition und Weiterentwicklung in der Kunst der Gegenwart zu entdecken. Mit seinen berühmten Siebdrucken Campbell’s Soup (1968) oder den Marilyn-Porträts (1967) hat Warhol die serielle Wiederholung von Bildern zu seinem Markenzeichen gemacht. Ausgehend von diesen Arbeiten dokumentiert die Ausstellung die sogenannten »Folgen« der graphischen Revolution um 1960. In Kombination werden aber auch explizit politische Zyklen, wie David Hockneys (*1937) Werk A Rakes Progress (1961–63) gezeigt, die an der gleichnamigen Serie des sozialkritischen Künstlers William Hogarth orientiert waren. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die aktuellen Neuerwerbungen von jungen Künstler*innen, wie die 2019 durch die Unterstützung der Freunde der Kunsthalle e. V. erworbene Serie Mid Sentence (2018) von Nina Canell (*1979). Insgesamt demonstriert die Ausstellung mit ca. 300 Werken die visuelle und politische Sprengkraft graphischer Serien.

Die Serie ist als offenes und hierarchieloses Gefüge zu verstehen, das zahlreiche Ordnungsmöglichkeiten beispielsweise in Form von Variation oder Reihung bietet. Gleichzeitig definiert sie sich aus der Interaktion der rhythmisierenden Einzelteile und dem Ganzen. Gerade dieses Zusammenspiel einzelner Blätter innerhalb einer Serie, die Interaktion von Printmedien sowie die Kooperation von Künstler*innen und Drucker*innen beim Entstehungsprozess der Kunstdrucke wird erstmals in den Fokus dieser Ausstellung gerückt und durch Filme und Interviews dokumentiert. Im Zentrum steht dabei auch die Frage nach neuen Techniken in der Druckgraphik.

Mitte der 1960er-Jahre war die Druckgraphik durch die Kunstrichtungen Pop Art und Fluxus zu einer der wichtigsten künstlerischen Medien geworden. Neue graphische Techniken wie Siebdruck und Offset erlaubten mit aggressiven Farben und schlagkräftigen Motiven nicht nur hohe Auflagen, sondern auch einen bis dahin unbekannten Zugriff auf die Bildmotive populärer Print- und Werbemedien. Neben der Pop Art war es vor allem die Minimal Art und Konzeptkunst, die mit ihren graphischen Folgen die serielle Vervielfältigung von Printmedien in den Vordergrund stellten. Warhols Experimente wurden zweifelsohne zum Inbegriff der seriellen Kunst und verdeutlichten die Blüte der Printmedien im Marketing und in der Werbung.

Die Ausstellung wird von einem Katalog (deutsch/englisch) begleitet, sowie von einer Gesprächsreihe, in der Künstler*innen (u. a. Thomas Schütte und Nina Canell) und Drucker*innen über ihre gemeinsame Arbeit sprechen. Zudem entsteht SERIEN in enger Zusammenarbeit mit der international bekannten Griffelkunst-Vereinigung Hamburg e. V., mit der die Hamburger Kunsthalle ein Kolloquium zur zeitgenössischen Druckgraphik ausrichten wird.

Mit SERIEN führt die Kunsthalle die Erforschung, Entdeckung und Präsentation von graphischen Werken weiter, die sie zuletzt mit den erfolgreichen Ausstellungen Zeichnungsräume. Positionen zeitgenössischer Graphik I + II (2016/2017) und Künstlerbücher(2017/2018) zeigte.

Beteiligte Künstler*innen:
Josef Albers, Ulla von Brandenburg, John Cage, Nina Canell, David Hockney, Jenny Holzer, Donald Judd, Maria Lassnig, Sol LeWitt, Roy Lichtenstein, Richard Lindner, Robert Mangold, Brice Marden, Bruce Nauman, Nam June Paik, Sigmar Polke, Gerhard Richter, Dieter Roth, Fred Sandback, Thomas Schütte, Frank Stella, Rosemarie Trockel, Victor Vasarely, Wolf Vostell, Andy Warhol, Christopher Wool u.a.

26.02. - 27.06.2021

Serien. Druckgraphik von Warhol bis Wool

Hamburger Kunsthalle

Glockengießerwall 5
20095 Hamburg