„Die Rolle Plakate werde ich Ihren Angaben gemäss nach Hannover schicken.“ So schrieb der Architekt Hugo Häring Anfang 1929 an die Kunsthistorikerin und Sammlerin Sophie Lissitzky-Küppers nach Moskau. Ob es sich um jene Plakate handelt, die im Sprengel Museum Hannover entdeckt wurden?

Dieser Frage geht die Ausstellung EL LISSITZKY UND EINE ROLLE PLAKATE nach und präsentiert zum ersten Mal ein spektakuläres Konvolut von russischen Filmplakaten aus den Jahren von 1924 bis 1928. Die konstruktivistischen Plakate, die ab Mitte der 1920er-Jahre die Kinofilme in der Öffentlichkeit bewarben, zählen weltweit zu den kreativsten und spektakulärsten ihres Genres und wirken auch heute noch sehr modern. Eines der wichtigsten ästhetischen Mittel war die Fotomontage, die Fotografie und Zeichnung miteinander kombinierte und das Alleinstellungsmerkmal der sowjetischen Filmplakate war. Es kamen dieselben experimentellen, kinematografischen Techniken wie in den angekündigten Filmen zum Einsatz: Montage, Nahaufnahme, extreme Blickwinkel. Rastereffekte, eine sehr lebendige Farbwahl, typografisch gewagte Textsetzungen und eine besondere Dynamik sind weitere Kennzeichen.

Das Konvolut von 37 Blättern im Sprengel Museum Hannover besteht vornehmlich aus 27 Filmplakaten so namhafter Künstler wie u. a. Aleksandr Rodcenko, Georgij und Vladimir Stenberg, Aleksandr Naumov, Nikolaj Prusakov und Grigorij Borisov. Des Weiteren gehören zwei sowjetische Propagandaplakate, drei architektonische Zeichnungen von El Lissitzky für die „Pressa“-Ausstellung 1928 in Köln und zwei „Pressa“-Plakate für Kinder von Susanne Ehmcke zum Konvolut. Im Rahmen der Reihe „Beiträge zur Sammlung“ erscheint ein Katalog.