"Betrachtet man die Dinge, so stößt man auf Menschen. Betrachtet man dieMenschen, so wird gerade dadurch das Interesse für die Dinge geweckt.“
(Bruno Latour)

Sind Dinge einfach nur Dinge oder können sie auch als etwas anderes wahrgenommen werden? Millionen von Objekten aus Afrika, Ozeanien, Australien, Asien und Amerika, die seit dem 16. Jahrhundert, insbesondere während der Kolonialzeit, gesammelt wurden, werden in Europa aufbewahrt. Um sie drehen sich heute die Debatten über die Zukunft von ethnologischen Museen.

Um nach Europa zu gelangen, haben die Dinge verschlungene Pfade zurückgelegt, sind von Ort zu Ort gezogen, wurden von einer zur nächsten Hand gereicht. Sie sind von einer Transportkiste in die nächste gelangt, haben sich von einem Regal in eine Ausstellungsvitrine fortbewegt und sind seitdem „Museumsobjekte“ mit einerInventarnummer geworden. Das ist das Schicksal dieser Dinge, die einst, bevor sie in ein Museumsobjekt verwandelt wurden, tanzten, jemanden schmückten, Krankheiten heilten, mit den Toten kommunizierten oder einfach nur dem täglichen Gebrauch dienten. Sie sind nun Fragmente, Überbleibsel von persönlichen und kollektiven, lokalen und globalen, vergessenen, verdrängten und verflochtenen Geschehnissen.

Das Rautenstrauch-Joest-Museum startet eine neue Ausstellungsreihe: „...der Dinge #“. Im ersten Teil „Die Schatten der Dinge #1“ kommen vier Objekte mit besonderer Biografie aus Kambodscha, Kanada, Neuseeland und Nigeria zu Wort. Die Ausstellungsinstallation nähert sich ihren Geschichten, ihrer Präsenz oder Abwesenheit und ihrem Nachleben heute und lädt die Besucher*innen ein, die Biografien dieser vier Objekte zu ergründen und sie auf neue Weise wahrzunehmen. Inspiriert von der Sammlung des RJM und den aktuellen Debatten, bringen die Fotografin Sara-Lena Maierhofer und die Filmemacherin Clara Wieck eine künstlerische Perspektive in die Ausstellung ein.