Der Kunstverein München präsentiert das Projekt Not Working – Künstlerische Produktion und soziale Klasse, welches Künstler*innen, Theoretiker*innen und Autor*innen zusammenbringt, die in ihrer Praxis die gegenseitige Bedingtheit von künstlerischer Produktion und sozialer Klasse verhandeln. Jede Form, auch die künstlerische, ist Terrain für die Verhandlung von Klassenverhältnissen. Formensprache ist dabei immer auch lesbar in Bezug auf Privilegien und ökonomische Zusammenhänge, die bestimmten Materialien, inhaltlichen Auseinandersetzungen und (Re-)Präsentationsmodi eingeschrieben sind und sie durchziehen.
Die komplexen Strukturen und Verschärfung sozialer Ungleichheiten – besonders deutlich geworden im Zusammenhang mit der aktuellen Pandemie – haben zu unterschiedlichen Verwendungen und Konnotationen des Klassenbegriffes geführt. Soziologisch verstanden als Zuordnung von Individuen zu Gruppierungen innerhalb einer Gesellschaft, hat der Begriff jedoch jenseits von einem ökonomischen auch einen symbolischen Gehalt: Spricht man heute von Klasse, so wird basierend auf ihrer historischen Konstitution zumeist von weißen, vornehmlich männlichen Gruppierungen ausgegangen. Deutlich geworden ist jedoch, dass Klasse den Kategorien von ethnischer Zugehörigkeit und Geschlecht – im Englischen die weitaus geläufigeren Begriffe „race“ und „gender“ – nicht nur inhärent ist, sondern diese Kategorien vielmehr bestimmende Elemente von Klassenverhältnissen darstellen.

Welche Formen nehmen künstlerische Praktiken an und wie geben diese Auskunft über Konditionen, unter denen sie entstanden sind? Die Werke in der Ausstellung sind geprägt durch ein Bewusstsein um die Verflochtenheit von Herkunft, Sozialisierung, Ausbildung und künstlerischer Praxis. Anhand feiner Unterschiede ist fraglich, warum zeitgenössische Kunst zumeist immer noch vor dem Hintergrund einer vermeintlichen „Klassenhomogenität“ präsentiert und diskutiert wird und so Kompliz*in bei der Reproduktion und Verdeckung bestehender Verhältnisse bleibt, die sie eigentlich zu überwinden vorgibt. Der Begriff der Klasse ist auffallend abwesend in Diskursen, die eine politische Relevanz und kritisches Potenzial beanspruchen. Wenn er zum Thema wird, werden die ökonomischen Disparitäten und Ungleichheiten jedoch allzu oft unbeholfen im gleichen Kontext reproduziert.
Der Kunstverein München ist in eines der teuersten städtischen Gefüge eingebunden, welches durch enorm hohe Mieten und Lebenshaltungskosten geprägt und immer weniger in der Lage ist, ein für die kulturelle Produktion förderliches Umfeld zu bieten. Das macht ihn zu einem prädestinierten Ort für die Verhandlung von Fragen nach der Verschränkung von Ökonomien, Kunstproduktion und Repräsentation. In der Ausstellung, einem umfassenden Film- und Begleitprogramm sowie der Publikation geht es darum, den Klassenbegriff produktiv im Hinblick auf seine Verflochtenheit mit künstlerischer Produktion zu betrachten und Impulse zur Auseinandersetzung mit dieser komplexen Materie zu schaffen.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
Montag und an Feiertagen: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunstverein-muenchen.de