Der lustvolle Blick einer übersättigten Gesellschaft in den Abgrund, der morbide Reiz zwischen Thanatos und Eros sind Themenfelder in der Kunst, die Ende des 19. Jahrhunderts insbesondere im belgischen Symbolismus ihren Ausdruck fanden. Die groß angelegte Sonderausstellung „Dekadenz und dunkle Träume“ in der Alten Nationalgalerie mit über 180 Werken widmet sich dieser in den 1880er- Jahren entstandenen Kunstströmung mit Brüssel als einem Hauptzentrum.

Den belgischen Symbolismus kennzeichnet eine besondere Vorliebe für morbide und dekadente Themen. Schon um die Jahrhundertmitte werden Tod und Verfall zu Leitmotiven, die sich bis zu Bildhauern wie George Minne und dem Meister des Absurden James Ensor verfolgen lassen. Angeregt durch die zeitgenössische Literatur verbanden Künstler*innen um 1900 eine neue Mystik mit einem extravaganten und kostbaren Stil. Zur zentralen Gestalt avanciert in diesem Kontext die Femme fatale als Ausdruck von Überfluss und Wollust. Der Symbolismus beeinflusste aber nicht allein das Portrait und Figurenbild, sondern schlug sich auch in der Landschaftsmalerei sowie in unheimlich erscheinenden Interieurs nieder.

Die umfangreiche Sonderausstellung mit über 180 Leihgaben aus internationalen Sammlungen und den wichtigsten Museen Belgiens, darunter Antwerpen, Brüssel oder Gent, stellt das Spektrum an bislang in Deutschland wenig bekannten belgischen Positionen wie Fernand Khnopff, Léon Spilliaert, Félicien Rops, James Ensor oder Jean Delville als wichtige Referenz für den Symbolismus vor. Hervorzuheben ist aus den Königlichen Museen der Schönen Künste in Brüssel Khnopffs sphinxhafte „Liebkosung“ als eine absolute Ikone des belgischen Symbolismus. Die Darstellung einer leopardenartigen Sphinx in rätselhaft erotischer Umarmung mit einer androgynen Männerfigur ist seit über 30 Jahren zum ersten Mal wieder in einem deutschen Museum zu sehen.

In 13 Kapiteln und einem Exkurs beleuchtet die Ausstellung zentrale Themen des belgischen Symbolismus wie Erotik und Mystik, Wahn und Neurose,Tod und Verfall. Darüber hinaus nimmt sie die zahlreichen Verknüpfungen der bildenden Kunst mit Literatur und Musik in den Blick und erzählt schließlich, wie die symbolistischen Avantgarden von Brüssel ausgehend zum europäischen Phänomen avancierten. Hier ermöglichen Werke von Künstlern wie Max Klinger, Edward Burne-Jones, Arnold Böcklin, Edvard Munch, Gustave Moreau und Gustav Klimt die Verortung des belgischen Symbolismus innerhalb dieses erweiterten europäischen Kontextes.

Zur Ausstellung ist ein 336-seitiger Katalog mit 265 farbigen Abbildungen reich illustrierter Katalog im Hirmer Verlag erschienen – herausgegeben von Ralph Gleis und mit Beiträgen von Jane Block, Maja Brodrecht, Yvette Deseyve, Johan De Smet, Michel Draguet, Ralph Gleis, Arnika Groenewald-Schmidt, Hans Körner und Inga Rossi-Schrimpf. Der Preis der Museumsausgabe ist 32,- Euro.

Die Ausstellung wird unterstützt durch die Königlich-Belgische Kunstmuseen und ermöglicht durch die Freunde der Nationalgalerie.

Die ursprüngliche Laufzeit der Ausstellung vom 15. Mai bis 13. September 2020 wurde aufgrund der coronabedingten Schließung des Museums verschoben.


Sonderöffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum