Das Kunstgewerbemuseum freut sich, nach langer coronabedingter Schließung, seine Türen wieder zu öffnen – zunächst ausschließlich für die Sonderausstellung „ATMOISM – Gestaltete Atmosphären“ samstags und sonntags im Rahmen von öffentlichen Führungen zu festen Terminen. 

Das Konzept seiner ersten großen Einzelausstellung hat der Designer Hermann August Weizenegger (HAW) dem Kunstgewerbemuseum auf den Leib geschnitten: Inspiriert von der „soft-brutalistischen“ Raumatmosphäre der 1967 von Rolf Gutbrod entworfenen Architektur entwickelte er 24 bühnenbildartige Interventionen. Diese entfalten sich als Skulpturen, Materialkompositionen und Objektinszenierungen wie ein Netz über das gesamte Haus. Es entsteht ein atmosphärischer Rundgang, der den Dialog mit dem Museum und seinen Objekten eröffnet und eine gestalterische Vision zukünftiger Produkt(ions)szenarien widerspiegelt. 

Alle Objekte der Ausstellung stehen in Relation zu dem sie umgebenden Raum und genau an dieser Schnittstelle setzt HAW an: Nicht das zu gestaltende Produkt steht für ihn im Vordergrund, es geht vielmehr um Ganzheiten oder Ensembles, die er Designwerke nennt. Das Gefühl gestalterischer Einheit zieht sich anhand wiederkehrender Motive, Farben und Formen, die der Designer einem stetigen Transformationsprozess unterzieht, durch die Ausstellung. Während des Rundgangs durchwandern Besucher*innen diverse gestalterische Atmosphären. Verteilt in den verschiedenen Bereichen der Dauerausstellung des Museums laden sie zum ästhetischen Dialog mit den Exponaten ein. 

Die Verbesserung der Waren- und Konsumwelt bildet den Ausgangpunkt für HAWs Designwerke. Das Leben eines Produkts begreift er als Kreislauf, in dem jede Komponente zum ästhetischen, sozialen und ökologischen Ausdruck des Gesamten beiträgt. Dazu gehört unter anderem die Auswahl der Materialien, der beteiligten Hersteller und das Nachleben eines Produkts. Überlegungen zu Regionalität und Langlebigkeit stehen für den Designer dabei im Zentrum. So arbeitet HAW in erster Linie mit Kooperationspartner*innen aus Deutschland zusammen. Für die aktuelle Ausstellung konnte er zahlreiche Akteur*innen aus dem Raum Berlin-Brandenburg gewinnen. Sein Anspruch auf Lokalität lässt den Designer regelmäßig neues Innovationspotenzial in ihm zuvor unbekannten Manufakturen, Handwerksbetrieben und Firmen aufspüren. 

Die kooperative Arbeit an Designwerken erzeugt auf besondere Weise eine Symbiose aus Gestaltung, traditionellen Handwerksfertigkeiten und High-Tech-Verfahren. Für die Ausstellung entwarf HAW neben klassischen Industriedesignprodukten für die Serie auch zahlreiche Objekte, für deren Herstellung er mit traditionellen Handwerksbetrieben kooperierte. Diese sind für den Designer Inspirationsquelle und Wissensfundus zugleich. Er verleiht den traditionellen Materialien und Herstellungsmethoden in der Ausstellung bewusst eine Bühne, um auf die Vorbildfunktion jahrhundertealter Traditionen aufmerksam zu machen. Neben dem Handwerk sieht HAW großes Potenzial in mittelständischen Produktionsstätten, die heute über ungeahntes technische Knowhow verfügen. 

Mit den Designwerken möchte HAW einen kulturellen Raum eröffnen, der über die reine Funktion und Form von Dingen hinausgeht. Denn Konsumgüter strukturieren Handlungsräume. HAW sagt: „Als Designer gestalte ich diese Räume des Handelns. Der Nutzer wiederum erhält die Chance, eine kognitive, emotionale und persönliche Bindung zum Gegenstand herzustellen, er erfährt etwas über den Herstellungskontext und darüber hinaus. Bei ihm entsteht Bewusstsein für die bestehenden Produktionsbedingungen, vielleicht sogar Verantwortung. So schafft Gestaltung kulturellen und gesellschaftlichen Mehrwert.“ Weiterführende Informationen zu HAW: www.hermannaugustweizenegger.de

“ATMOISM – Gestaltete Atmosphären” wird kuratiert von Claudia Banz, Kuratorin Design, Kunstgewerbemuseum – Staatliche Museen zu Berlin. 

Es erscheint ein Katalog im Verlag für moderne Kunst Wien, mit Beiträgen von Claudia Banz, Patricia Ribault, Thomas Wagner, in deutscher Sprache, 195 Seiten, ca. 200 Abbildungen, Buchhandels- und Museumspreis: 35 Euro, ISBN 978-3-903320-97-0.

Die Ausstellung ist bis auf weiteres samstags und sonntags im Rahmen von Führungen mit begrenzter Teilnehmerzahl zugänglich. In den einstündigen Führungen wird jeweils eine Auswahl aus den insgesamt 24 Interventionen vorgestellt. Die Tickets müssen im Vorfeld online gebucht werden: www.smb.museum/tickets. Die Teilnahmegebühr inkl. Eintritt beträgt 20 €, die Teilnahmegebühr mit gültigem Eintrittsticket (Jahreskarte, Förderverein, ICOM etc.) beträgt 15 €. Treffpunkt ist jeweils 14 und 15.30 Uhr an der Kasse des Kulturforums.


Sonderöffnungszeiten:
Samstag und Sonntag: 14:00 und 15.30 Uhr (im Rahmen von Führungen)

Weitere Informationen direkt unter: smb.museum