Auch 30 Jahre nach der Wiedervereinigung Deutschlands gibt es blinde Flecken in der Geschichtsschreibung der Designentwicklungen in Ost und West. Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden (SKD) widmet sich deshalb in der diesjährigenSaisonausstellung dem Werk der Gestalterin Christa Petroff-Bohne, die zu den wichtigsten deutschen Designer*innen der 1950er- und 1960er-Jahre zählt.

Ihre Entwürfe für die Industrie brachten eine zeitgemäße Formgebung in die Alltagskultur der jungen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Es war Petroff-Bohne, die hinter der sachlich-eleganten Produktästhetik der VEB Auer Besteck- und Silberwaren (ABS) stand – den Produkten aus Edelstahl, die aus der Gastronomie und den Haushalten in der DDR nicht wegzudenken waren. Als Professorin an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee war sie eine prägende Persönlichkeit und beeinflusste Generationen von Studierenden. Ihr Werk stellt ein wichtiges Zeugnis der modernen Entwurfstätigkeit in der DDR dar und ist auch im internationalen Vergleich bemerkenswert.  

1932 im sächsischen Colditz geboren, studierte Petroff-Bohne nach ihrer Ausbildung zur KerammalerinIndustrielle Formgebung an der Hochschule für Bildende Künste Dresden. Als hier 1953 die moderne Formgestaltung der bildenden Kunst weichen musste, folgte sie dem niederländischen Avantgardisten Mart Stam an die Hochschule für angewandte Kunst Berlin-Weißensee. Bereits ihre Diplomarbeit, ein Frühstücksservice für die VEB Steingutwerk Torgau, ging im Jahr 1956 in großer Serie auf den Markt.  Und auch danach sollte Petroff-Bohnes Wirken das Design in der DDR in vielfacher Hinsicht prägen: Neben elegantem Hotel- und Tafelgerät für die Auer Besteck- und Silberwarenwerke (ABS) entwarf sie auch Industriemaschinen und Nachrichtentechnik sowie Produkte für die Innenraumgestaltung und Arbeitsumwelt. 

Die Präsentation „Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne“ im Wasserpalais in Schloss Pillnitz stellt die Gestalterin als Industriedesignerin und Lehrende  vor, zeigt ihr berufliches Netzwerk und veranschaulicht die Situation der Gestalter*innen in der DDR als komplexes Beziehungsgeflecht. Neben industriellen Produkten und Arbeiten von Studierenden des Fachbereichs Visuell-ästhetisches Gestalten, die in einer ungewöhnlichen Bandbreite Petroff-Bohnes Lehrtätigkeit und Vermittlung von ästhetischen Prinzipien verdeutlichen, thematisiert die Schau auch die Wurzeln ihrer spezifischen Gestaltungslehre im Bauhaus, im Handwerk, im „Neuen Sehen“ sowie in der Auseinandersetzung mit der Natur. Das Kunstgewerbemuseum rückt damit erneut das Design in der DDR sowie das Schaffen von Designerinnen in Vergangenheit und Gegenwart in den Mittelpunkt – zwei Themen, zu deren Aufarbeitung sich das Haus verpflichtet fühlt. 

Einen entscheidenden Impuls für die Schau gab ein neues Buchprojekt der Berliner Design-Autor*innen Angelika und Jörg Petruschat sowie Silke Ihden-Rothkirch über das Werk von Christa Petroff-Bohne, das im Verlag form+zweck erscheint und anlässlich der Ausstellung unter dem gleichlautenden Titel erstmals präsentiert wird. Die intensive Beschäftigung der Autor*innen mit dem Oeuvre der Gestalterin führte zu einem spannenden Austausch mit dem Museum, das sie neben Klára N?me?ková, der Spezialistin für zeitgenössisches Design am Kunstgewerbemuseum, als Mitkurator*innen der Ausstellung gewinnen konnte. 

Mit dem Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg konnte ein Produktionspartner und weiterer Präsentationsort der Ausstellung im Jahr 2021 gefunden werden. Die Gestalterin und Szenografin KatleenArthen (Berlin) entwickelte für die Ausstellungsarchitektur eine flexible Konstruktion auf der Grundlage konstruktiv-modularer Elemente in Anlehnung an Ausstellungsarchitekturen der Nachkriegsmoderne. Die Ausstellungsgrafik stammt von Torsten Köchlin (Leipzig) und Joana Katte (Hamburg). 

Zur Präsentation erscheint die Publikation „Schönheit der Form. Die Designerin Christa Petroff-Bohne“, Herausgeber*innen: Jörg Petruschat, Silke Ihden-Rothkirch, Verlag form+zweck, 2020, 288 Seiten, 49 €, ISBN 978-3-947045-17-4.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 10:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: skd.museum