Fritz Winter (1905 - 1976) gehört zu den bedeutendsten deutschen Malern in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sein Werk ist vom Studium am Dessauer Bauhaus bei Klee, Kandinsky, Feininger und Moholy-Nagy geprägt. Während des Nationalsozialismus wurde der spätere dreimalige documenta-Teilnehmer als entartet diffamiert und erhielt ein Malverbot. In der Nachkriegszeit entwickelt er den Höhepunkt seines Schaffens, das dem Art Informel nahesteht. Damit zählte er zu den wichtigsten künstlerischen Repräsentanten der jungen Bundesrepublik. Als Retrospektive angelegt, widmet sich die neue Ausstellung des Emil Schumacher Museums „Fritz Winter – Durchbruch zur Farbe“ dem gesamten malerischen Spektrum seines Œuvres. 

Fritz Winter war bereits als Student am Bauhaus Ende der 1920er-Jahre von der Entwicklung der Abstraktion und den Diskussionen darüber beeinflusst. Besonders auch die zeitgenössische Experimentalfotografie übte in dieser Zeit einen starken ästhetischen Einfluss auf den jungen Künstler aus, der jedoch Maler werden wollte. Von der Lehre am Bauhaus kommend, entwickelte er seine Kunst in eigenständiger Form stetig weiter. Ausgehend von der reduzierten Farbpalette des Frühwerks fällt eine signifikante Steigerung der Farbigkeit in seinen Kompositionen gegen Ende der 1930er-Jahre auf, bevor nationalsozialistischer Terror und Krieg auch für Winter zur Zäsur des künstlerischen Weges wurden. In der Nachkriegszeit machte er die Farbe in seinen bewegten Kompositionen zum zentralen Motiv seiner Malerei, was auf die Zeitgenossen geradezu als „Durchbruch zur Farbe“ wirkte. 

Mit rund hundert präsentierten Werken gibt die Ausstellung einen umfassenden Einblick in alle bedeutenden Werkphasen des Künstlers und seine Auseinandersetzung mit Farbe, Linie und Form. Der Rundgang, beginnend mit Winters ersten Arbeiten bis hin zu seiner letzten Leinwand, macht die Entwicklung seines eindrucksvollen Œuvres anschaulich. Neben bekannten Schlüsselwerken aus der Sammlung des Fritz-Winter-Hauses in Ahlen, das die Ausstellung maßgeblich unterstützt, sind dabei auch selten präsentierte Arbeiten aus privaten Sammlungen zu sehen. 

Die in Hagen kuratierte Ausstellung ist eine Kooperation des Emil Schumacher Museums mit dem Angermuseum in Erfurt, wo die Ausstellung ab Februar 2021 in einer weiteren Station ebenfalls zu sehen sein wird. 

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Kettler, Dortmund, herausgegeben von Rouven Lotz, Ulrich Schumacher und Kai-Uwe Schierz, mit einem Vorwort der Herausgeber sowie Beiträgen von Katharina Henkel und Rouven Lotz. 112 Seiten mit 114 abgebildeten Werken, Hardcover, ISBN 978-3-86206-843-2, € 29,90 im Museum (€ 34,90 im Buchhandel). 


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 12:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: esmh.de

Fritz Winter, Rotes Signal, 1967, Öl auf Leinwand, 230 x 150 cm, Privatsammlung. © VG Bild-Kunst, Bonn 2020
30.08.2020 - 31.01.2021

Fritz Winter : Durchbruch zur Farbe

Emil Schumacher Museum

Museumsplatz
58095 Hagen