Der amerikanische Fotograf JERRY BERNDT (1943–2013) dokumentiert die Zeit zwischen den 1960er- und 1980er-Jahren in Amerika wie kein anderer Fotograf. Indem er Fotojournalismus mit Dokumentations- und Straßenfotografie kombiniert, gelingt es ihm, über eine Spanne von dreißig Jahren einen einzigartigen Blick auf die soziale Verfassung Amerikas zu werfen. Gerade weil BERNDT Teil der amerikanischen Protestbewegung war, werden zentrale Themen der jüngeren amerikanischen Geschichte wie die Bürgerrechtsbewegung, die Rechte von Afroamerikaner*innen, Patriotismus, Obdachlosigkeit, aber auch die vehementen Proteste gegen den Krieg in Vietnam, Rassismus, Atomkraft nicht nur überzeugend visualisiert: Vor einer stummen tristen amerikanischen Großstadtkulisse zeichnen sich soziale und kulturelle Lebensbedingungen ihrer Bewohner ab, die von tiefer Melancholie überschattet sind. Die von Sabine Schnakenberg in Kooperation mit dem Jerry Berndt Estate kuratierte Ausstellung JERRY BERNDT - BEAUTIFUL AMERICA wird im Haus der Photographie vom 25. September 2020 bis 3. Januar 2021 zu sehen sein.

BERNDT stellte sich bis in die 1980er-Jahre hinein konsequent in die Nähe des politischen Konflikts und porträtierte systematisch das Spektrum der amerikanischen Menschen und Stadtlandschaften, von der Mittel- und Arbeiterklasse bis zu den Bewohnern der oft ignorierten Ghettos Amerikas. Mit Serien zur Anti-Vietnam-Bewegung Ende der 1960er-Jahre, an der er persönlich beteiligt war, und zur Obdachlosigkeit im Amerika der frühen 1980er-Jahre hat er Themen behandelt, die die ungelösten Konflikte eines Landes untersuchen. Ebenso unprätentiös und präzise fotografiert er den amerikanischen Alltag, in dem sich Konflikte subtil spiegeln: Einkaufszentren, Diners, Parkplätze und Autos sowie Misswahlen und Paraden.

Seine Arbeiten aus dieser Zeit zeigen zum einen, wie sich die Amerikaner kulturell und sozial darstellten und decken gleichzeitig das Fundament der veränderlichen urbanen Infrastruktur Amerikas auf. JERRY BERNDT visualisiert eine wichtige, unbequeme Übergangsphase in der Geschichte Amerikas und hebt die buchstäbliche und ironisch gebrochene Schönheit der USA hervor.

In seiner über 40-jährigen Karriere arbeitete JERRY BERNDT zudem für international renommierte Publikationen wie den Boston Globe, The New York Times, Newsweek und Paris Match. Als Fotojournalist dokumentierte er u.a. den Völkermord in Ruanda (2003-2004) und den Bürgerkrieg in Haiti (1986-91). Berndt lehrte am Boston University’s College of Fine Art und an der University of Massachusetts. Seine Werke sind in zahlreichen Sammlungen vertreten, darunter im Museum of Modern Art in New York, dem Museum of Fine Arts in Boston und der Bibliothèque Nationale de France in Paris.

Parallel wird eine Ausstellung des US-amerikanischen Fotografen MATT BLACK sowie das Projekt #ProtestsGoViral im Haus der Photographie präsentiert. Beide Projekte werden zeitgleich zum US- amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf in diesem Jahr gezeigt.