Ein leiser Blick in das Anthropozän


Der Kunstverein Trier Junge Kunst zeigt vom 3. Oktober bis zum 14. November 2020 Malerei von Thoralf Knobloch. Der Künstler, der aktuell in Berlin lebt und arbeitet, ist bundesweit und international präsent und wird beachtet, wegen einer Malerei, die einen fremdelnden Blick in die Welt mit der Wärme malerischer Zuwendung verbindet. 

Jedes Stück Welt scheint heute abhängig von der Entscheidungskraft des Menschen, kaum ein Stück scheint unbearbeitet. Die Motive, die uns auf Thoralf Knoblochs Leinwänden angeboten werden, sind allesamt Fundstücke dieses vom Menschen Gemachten. Nicht zu adressierende Orte, Stadträume, Sichtfelder, Landschaften, sie alle atmen die Anwesenheit des Menschen in dessen Abwesenheit. Eine sich aus diesen Welt-Ausschnitten speisende Malerei darf nicht verstecken, dass auch sie selbst Gemachtes ist. Thoralf Knobloch schafft das, und gibt das von ihm Gemachte der Beobachtbarkeit frei. 

Scharf abgegrenzt erscheinen Farbfelder in den Vorder-, Hinter- und Mittelgründen seiner Bilder, sie verbinden sich durch das Verteilen optischer Massen und Linien im Format oder durch Farb-Module, oftmals kleine Farbanker in und neben den "Dingen". Wenn es Gewicht im Bild braucht, bilden Farben Körper und teilen sich doch immer eine Raum-Farb-Temperatur. Wenn ein Teil aus dem Bild kippen möchte, wird es gehalten. Alle Bauteile der Arbeit bedingen einander und sind Teile des Gemachten, des sorgsam Gewollten, schöpfend aus malerischen Möglichkeiten. Sie sind Malerei, die ohne Zuneigung zur Malerei nicht da sein kann. 

So tritt in den Bildern von Thoralf Knobloch nicht nur die vergängliche Kraft, die Gewalt des Menschen in einem "Anthropozän" auf, sondern auch der Anspruch auf die Welt als Ort der Beziehung des Menschen zu allen Dingen. Die Beziehung, die eine Wertigkeit des Seienden erst Bewusst sein lässt. 
Sebastian Böhm, 2020