Künstlerinnen und Künstler: Marc Czyzewski, Jürgen Essing, Werner Otto Lexa, Hans Oberle, Sven Redlich, Mark Stevens, Nicole Szlachetka, Lisa Urban, OTTO (Rüdiger Schmidt)

„In der Meeresweite meiner Seele …“. Vision und Figuration in Bildern und Objekten

Der Raum vor unserem inneren Auge ist unermesslich, dort „in der Meeresweite meiner Seele ist alles voll von Bildern großer Dinge … und da begegne ich auch mir selbst", sagt vor gut 1700 Jahren der Theologe Augustinus. Das Kunsthaus zeigt Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern, die in Malerei, Zeichnung und Objekten diese inneren Bilder, Begegnungen und Empfindungen eindrücklich sichtbar machen. Dabei werden Vorstellungen von Kreativität und Sexualität, von Selbstwahrnehmung und Fremderfahrung aufgerufen und im Sehen an unsere Einbildungskraft zurückgegeben. So geht es in dieser Ausstellung auch um die Wahrnehmung und Reflexion der Ähnlichkeit: von Sinnes- und Sexualorganen, von (Körper-) Öffnung und Wunde, von Sehen und Verletzen; all das zieht sich bis in die Gegenwart wie ein roter Faden durch die Geschichte der Kunst.
Hans Oberle fängt die Verletzlichkeit unserer Sinne in intensiven, dynamisch verlaufenden Farben ein. Wie eine Gedächtnisspur oder ein Erinnerungsgerüst tauchen immer wieder religiöse Versatzstücke auf. Werner Otto Lexa erkundet ausdrücklich die christliche Bilderwelt. In seinen schablonenhaften Wieder-Holungen zeigt sich die emblematische Macht der kulturellen Bilder. In der Malerei von Sven Redlich baut sich aus Körper, Geist und Natur ein gedanklicher Bilderkosmos auf. Die unheimlichen Gesichter von Marc Czyzewski zeugen hingegen ikonenhaft von Begegnungen mit dem Anderen, dem inneren Fremden. Nicole Szlachetka formt anthropomorphe Gefäße, die sinnfällig und humorvoll verkörpern, was uns alles durch den Kopf geht. Auch die genähten Stoffpuppen von Lisa Urban erzählen von Mensch-Werdung, von Sehnsüchten und Träumen, von Brüchen und Narben, von Spiel und Fantasie. Noch diesseits des Körperlichen erfasst der Strich von Mark Stevens menschlichen Haltungen. In Jürgen Essings transparenten Aquarellen schließlich erscheinen Figuren wie verschleiert in einem Zwischenbereich, der gleichermaßen vage und luzide Stimmungen transportiert.
Text Dr. Karin Wendt


Öffnungszeiten:
Dienstag - Sonntag: 13:00 - 17:00 Uhr 
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: kunsthaus-kannen.de

© Werner Otto Lexa
11.10.2020 - 31.01.2021

In der Meeresweite meiner Seele ...

Kunsthaus Kannen

Alexianerweg 9
48163 Münster