Ian Kiaer nahm u.a. an der 50. Venedig Biennale, der 12. Istanbul Biennale, und der Manifesta 3 teil. Ausstellungsbeteiligungen: u.a. in der Tate Britain & Tate Modern in London, dem Museum of Contemporary Art in Chicago, dem Mori Art Museum in Tokio. Einzelausstellungen: u.a. Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris, Tate Britain London, Aspen Art Museum, USA. 2018 wurde Ian Kiaer mit dem renommierten Philip-Leverhulme-Preis ausgezeichnet. 

Für den Heidelberger Kunstverein konzipiert er eine Ausstellung mit Arbeiten der letzten sechs Jahre, die sich um ein vor Ort neu angefertigtes ca. 10 x 3 x 3 m großes pneumatisches Skulptur-Objekt gruppieren. Über zarte Aquarelle legen sich ausrangierte Plexiglasscheiben aus Bushaltestellen. Es entstehen Bilder aus mehreren Schichten, in denen unbekannte Fahrgäste Spuren hinterlassen haben. Architekturmodelle finden ihren Platz am Boden, pneumatische Objekte wiegen sich im Raum.

Ian Kiaers poetische Installationen aus Alltagsgegenständen, gefundenen Materialien, Modellen und Malerei können als offene, modellhafte Versuchsanordnungen erfahren werden. Mit seinen ›endnotes‹ (engl.: Fußnoten) legt er Bezüge zu (utopischen) Entwürfen aus Architektur, Philosophie und Literatur nahe. So schafft er Erfahrungsräume, die gleichzeitig Denkräume eröffnen: historische Impulse und aktuelle Debatten werden zusammengeführt, um Verständnis für unterschiedliche Formen der eigenen Position in Relation zur Welt zu verhandeln.

Ausgangspunkt für Ian Kiaers Arbeiten bilden zum Beispiel Friedrich Kieslers Auseinandersetzung mit dem endlosen Raum, Michael Marders Untersuchungen zum Erleben von Pflanzen und Samuel Becketts Textexperimente. Dabei streift Ian Kiaer aktuelle Diskussionen u.a. um das Verhältnis zu Natur oder Kolonialismus. Ian Kiaers Installationen und Objekte können als offene Versuchsanordnung oder als (vorläufiges) Ergebnis einer Reihe von Assoziationen verstanden werden.

Die Ausstellung im Heidelberger Kunstverein trägt den Titel ›endnote (ping)‹. Mit ›ping‹ nimmt Ian Kiaer Bezug zu Samuel Becketts Text ›Ping‹ (original franz. ›bing‹ 1966, von ihm selbst 1967 mit dem Titel ›ping‹ ins Englische übertragen): ›All known all white bare white body fixed one yard legs joined like sewn. Light heat white floor one square yard never seen. White walls one yard by two white ceiling one square yard never seen. Bare white body fixed only ...‹

Mit syntaktischen Verkürzungen der Sätze und Ellipsen erschafft Becket einen Raum, in dem sich von jedem Satz mehrere Bedeutungspfade abzweigen und die Grenze zwischen Raum und Körper langsam verschwimmt. Durch den Ausstieg aus der linearen Narration wird Raum (in Becketts Text ein weißer geschlossener Raum) als fragmentarische und assoziative, als subjektive Wahrnehmung, wie objektive Kraft konstruiert. Im Heidelberger Kunstverein nutzt Ian Kiaer Boden und Wände als gleichberechtigte Flächen für die Präsentation und spielt mit (utopischen) architektonischen Ideen des Zusammenlebens durch unterschiedliche Dimensionen und Maßstäbe. 

Ian Kiaer (*1971 in London) studierte am Royal College of Art und der Slade School of Art in London und arbeitet nun in London und Oxford. Einzelausstellungen: Aspen Art Museum (USA), Kunstverein München, Galleria d’Arte Moderna e Contemporanea, Turin und Musée d’Art Moderne de la Ville de Paris. Gruppenausstellungen: Mudam Luxembourg, Tate Modern und Tate Britain in London, Hammer Museum in Los Angeles, Hayward Gallery in London, Manifesta 3 in Ljubljana, Biennale d’Art contemporain, Rennes, Biennale de Lyon, Istanbul Biennale, Venedig Biennale und Berlin Biennale.


Öffnungszeiten:
Dienstag - Mittwoch: 11:00 - 18:00 Uhr
Donnerstag: 11:00 - 20:00 Uhr
Freitag - Sonntag: 11:00 - 18:00 Uhr
Montag: geschlossen

Weitere Informationen direkt unter: hdkv.de