Stephan von Huene (1932–2000) gehört zu den Begründern der Klang- und Medienkunst im 20. Jahrhundert. Seit Ende der 1960er-Jahre schuf der Künstler komplexe audio-kinetische Installationen, in denen er sich mit Klang und Sprache auseinandersetzte. In seinen mechanischen und technologischen Skulpturen, die immer mehr zu interaktiven Klanginstallationen erweitert wurden, erforschte er auf der Grundlage seiner Kenntnisse der Sprachwissenschaft und der Verhaltensforschung akustische Phänomene und die Funktionsweisen der Wahrnehmung.

In den aus den späten 1990er-Jahren stammenden Werken »What’s wrong with Art?«, »Blaue Bücher« und »Eingangsfragen – Ausgangsfragen«, die in der Ausstellung am ZKM gezeigt werden, befasst sich Stephan von Huene mit unterschiedlichen Modi des Sprechens über Kunst. Die Arbeiten stellen die Missverständnisse des Publikums dar und kontrastieren dessen Sprachlosigkeit mit den intellektuellen Sprechblasen und dem aufgeblasenen Sprachstil der Kunstkritik, der Kunstvermittlung und -geschichte. Mit seiner Sprachkritik plädiert Stephan von Huene für einen sprachlich angemessenen und unvoreingenommenen Umgang mit der Kunst.

Die Klanginstallation »Blaue Bücher« wurde vom ZKM im Jahr 2015 mit der finanzieller Unterstützung der Kulturstiftung der Länder für seine Sammlung erworben. Weitere zentrale Arbeiten sowie große Teile seines Nachlasses und seine Bibliothek erhielt das ZKM als Schenkung. Damit ist das ZKM heute der wichtigste Ort für die Bewahrung und Erforschung des Werks dieses »Künstlers mit Pioniergeist« (György Ligeti).

Zu der von Philipp Ziegler kuratierten Ausstellung erscheint ein Essay von Yannis Hadjinicolaou über die von Stephan von Huene gezeigten Werke.