Eine umfangreiche Schenkung der Kölner Sammlerin Ute Mronz an das Arp Museum Bahnhof Rolandseck bietet den wunderbaren Anlass, den Künstler Antonius Höckelmann (1937 Oelde – 2000 Köln) neu zu entdecken. Zu Unrecht sind die Werke Höckelmanns in Vergessenheit geraten, obwohl sie in den bedeutenden Ausstellungen der 1980er Jahre, u.a. auf der documenta 6 und 7, gezeigt wurden – zusammen mit denen der Malerkollegen Georg Baselitz, Markus Lüpertz und A. R. Penck. Sein vielfältiges und außergewöhnliches Œuvre soll nun in diesem vom Arp Museum Bahnhof Rolandseck und der Kunsthalle Bielefeld gemeinsam konzipierten Ausstellungsprojekt seine lang verdiente Würdigung erfahren.

In Oelde/Westfalen geboren und zum Holzbildhauer ausgebildet, studiert Antonius Höckelmann an der Hochschule für bildende Künste in Berlin Bildhauerei bei Karl Hartung. Im Jahr 1970 zieht er nach Köln und prägt über drei Jahrzehnte hinweg die rheinische Kunstszene mit. Ebenfalls 1970 verbringt er einen mehrmonatigen Studienaufenthalt im Künstlerbahnhof Rolandseck. Die Ausstellung Alles in allem ermöglicht genau 50 Jahre später an eben diesem Ort einen intensiven Einblick in über 80 Zeichnungen, Gemälden, Reliefs und Skulpturen aus sämtlichen Schaffensphasen des Künstlers.

Antonius Höckelmann verwebt abstrakte, organische und figürliche Formen zu komplexen Kompositionen und Bildfindungen. In seinen großformatigen Papierarbeiten schafft er fantastische Bildwelten mit dynamischer Linienführung und bewegten Oberflächen. Seine plastisch geformten Gebilde aus Gips, Styropor, Aluminium oder Bronze haben einen energetischen, prozesshaften Charakter und oszillieren zwischen Werden und Wachsen, Anschwellen und Zusammenziehen. Acrylbilder von expressiver Farbigkeit tauchen in den 1990er Jahren in seinem Werk auf.

Beeinflusst wird er vom westfälischen, aber auch italienischen Barock, vom Informel sowie den Neuen Wilden. Wuchernde, vegetabile Formen bringen neben Porträts und Selbstbildnissen Motive der Sexualität, Tier- und Pflanzenwelt und des Pferdesports zum Vorschein. Immer wieder bestechen die Arbeiten durch ihren speziellen Humor. Dabei korrespondiert sein obsessives Arbeiten bei vollstem Körpereinsatz gleichzeitig mit einem exzessiven Lebensstil. Exemplarisch dafür steht ein ab 1980 über viele Jahre hinweg gewachsenes, aber nicht mehr existentes Environment aus Deckengebilden, Wandmalereien, Zeichnungen und Plakaten, das er in der Milieukneipe Kronenbraustuben im Kölner Eigelsteinviertel erschafft.

Höckelmanns Werk zeichnet sich durch große mediale Vielfalt aus, bei dem nicht nur formal, sondern inhaltlich-motivisch schließlich alles in allem in einem einzigartigen Kosmos verwoben ist.

Mit der Ausstellung setzt das Arp Museum Bahnhof Rolandseck seine Reihe mit rheinischen Künstlern, wie zuvor mit Karl Otto Götz, Michael Buthe, C. O. Paeffgen, Gotthard Graubner, Martin Noël, Bernard Schultze und Otto Piene weiter fort.