Zum 15-jährigen Bestehen des Museum Ritter zeigen wir in den oberen Ausstellungs- räumen das Werk von Vera Molnar, einer Grande Dame der geometrischen Abstraktion und Pionierin der Computerkunst und parallel im Erdgeschoss aktuelle Lichtkunst aus der Sammlung Marli Hoppe-Ritter.

Die Lust am systematischen Experiment steht von Anfang an im Schaffenszentrum der in Paris lebenden Ungarin. Ihren ästhetischen Mitteln als Malerin und Zeichnerin wie auch ihrer Vorliebe für die geometrische Bildsprache ist sie dabei bis heute treu geblieben. Ausgehend von der Konzentration auf primäre Gestaltungselemente wie dem Quadrat, dem Kreis und der Linie generiert die Künstlerin eine Vielzahl an Serien, die den Betrachter einladen, in ihren von Variation, Transformation und Un-Ordnung geprägten Bildwelten spazieren zu gehen.

Die frühen Entwicklungsjahre von Vera Molnar fielen in eine Epoche, in der die traditionelle Kunst infrage gestellt wurde. Ihre Ablehnung von subjektiven Entscheidungen und kompo- sitorischen Überlegungen bei der Bildfindung führte die Künstlerin dazu, ihre „visuellen Forschungen“ nach einem kombinatorischen Verfahren zu betreiben, das sie als „machine imaginaire“ bezeichnete. 1968 erhielt sie erstmals die Möglichkeit, mit einem Computer zu arbeiten, der anhand vorgegebener Algorithmen eine unerwartete Vielfalt an „unvorstellbaren“ Bildergebnissen erzeugte.

In der Sammlung Marli Hoppe-Ritter ist Vera Molnar mit zahlreichen Arbeiten vertreten.

Es ist daher längst überfällig, die Bandbreite ihrer Kunst in einer Einzelausstellung vorzustellen. Die Schau präsentiert über 60 Arbeiten von 1942 bis heute und nähert sich Vera Molnars Schaffen in offenen Kapiteln: Zu sehen sind frühe Zeichnungen, Gouachen und Buchstaben- Bilder, die ihr Streben nach Symmetrie und Serialität zeigen. Eine Reihe von Computerplots und Malereien führen wiederum Verschiebung, Verformung und Zufall als gestalterische Prinzipien vor. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Werke, die eine wiederholte Auseinander- setzung mit der Farbe Rot wie auch mit Werken der Kunstgeschichte veranschaulichen.

Vera Molnar, 1924 in Budapest geboren, studierte Malerei, Kunstgeschichte und Ästhetik an der Ungarischen Akademie der Bildenden Künste in Budapest und lebt seit 1947 in Paris.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg (€ 21,80).