Nachdem das KirchnerHAUS Museum im Winterhalbjahr 2019/2020 graphische Porträts des 1881 geborenen Picasso jenen des 1880 geborenen Kirchner gegenüberstellte, wird nun die Ausstellung „Kirchner – KLEE: BEGEGNUNGEN“ Werkausschnitte zweier ebenfalls gleichaltriger bedeutender Vertreter der damaligen künstlerischen Moderne präsentieren: Paul Klee wurde 1879, ein Jahr vor Kirchner, geboren.

Der eigentliche Anlass für dieses Projekt ist jedoch ein Treffen der beiden Künstler im Mai des Jahres 1934, als Ernst Ludwig Kirchner Paul Klee in dessen Wohnung in Bern aufsuchte.

Als nonkonformistischer Künstler hatte Klee 1933 aufgrund von Diskriminierungen durch die Nazis seine Stelle als Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie aufgeben müssen und war in seinen Heimatort Bern zurückgekehrt. Hiervon hatte der 1917/18 kriegsbedingt nach Davos emigrierte Kirchner erfahren und seinen Wunsch nach einer Begegnung mit dem Künstlerkollegen in einem Brief angekündigt und begründet. Er schreibt dort: „Ich kenne und schätze Sie und Ihre Arbeit schon so lange und heute müssen wir alle, die für die Kunst kämpfen zusammen halten, sie ist // mehr in
Gefahr wie je“. Die Vorahnung dessen, was die Vertreter der modernen Kunst in den Folgejahren erwarten würde, klingt aus diesen Worten und so ist es auch das gemeinsame Schicksal als Emigranten, das Paul Klee und Ernst Ludwig Kirchner verbindet und das dieser einmal in den Worten ausdrückte: „Outsider hier, outsider da, kein Mensch will mich haben“.

Die Ausstellung präsentiert die beiden Künstler vor allem mit frühen Arbeiten, ohne deswegen nach stilisitischen Parallelen zu suchen. Dennoch fällt auf, dass sowohl bei Klee als auch bei Kirchner die Linie wesentlicher Ausdrucksträger ihrer Arbeiten ist. Kirchner lässt die zarten Liniengefüge seiner Skizzen bereits mit wenigen Strichen zu magischen Momenten werden, für die er seinen Begriff der „Hieroglyphe“ findet. Klee setzt den Reiz der Linie in graphische Arbeiten um, vor allem in die Lithographie und die Radierung: „…Dass es die Linie gibt, die vom Impressionismus profitiert und ihn zugleich überwindet, das mag mich ordentlich elektrisieren“, hat er einmal gesagt. 

08.02. - 28.03.2021

Kirchner – Klee: Begegnungen

Kirchnerhaus Museum Aschaffenburg

Ludwigstraße 19
63739 Aschaffenburg