Kaum ein Thema hat die Kunst der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts so stark geprägt wie die Auseinandersetzung mit dem Menschenbild. Künst-lerinnen und Künstler reagierten auf Kriegserfahrungen, gesellschaftliche Umbrüche, Industrialisierung und Urbanisierung ebenso wie auf Fragen nach neuer individueller und kollektiver Identität. 

Die Ausstellung BLICK.FANG.MODERNE – Menschenbilder zwischen Ex-pressionismus und Neuer Sachlichkeit, die vom 7. März bis zum 14. Juni 2026 im KirchnerHAUS Museum Aschaffenburg präsentiert wird, widmet sich der großen Vielfalt an Porträts, Selbstporträts und weiteren Menschen-bildern, die in diesem Spannungsfeld entstanden. 

Mit dem Expressionismus wurde der Mensch nicht naturalistisch, sondern in expressiver Verfremdung, mittels kraftvoller Farben und Linien dargestellt. Porträts und Bildnisse sind weniger Abbilder als vielmehr psychologische Verdichtungen: Sie spiegeln innere Zustände, existenzielle Spannungen und die Suche nach Authentizität. Nach dem Ersten Weltkrieg setzte mit der Neuen Sachlichkeit eine gegenläufige Tendenz ein: Distanzierte Beobach-tung, präzise Zeichnung und eine oft schonungslose Nüchternheit prägten nun das neue Menschenbild. Zwischen diesen beiden Polen – expressiver Subjektivität und sachlicher Präzision – entfaltet sich eine große Spann-breite künstlerischer Positionen, die auch Übergänge und Mischformen kennt. 

Die Ausstellung präsentiert rund 65 Werke – Aquarelle, Zeichnungen und Druckgrafiken – von 36 Kunstschaffenden, bekannten wie Emil Nolde, Erich Heckel, Karl Schmidt Rottluff, Käthe Kollwitz, Karl Hofer oder Georg Grosz, aber auch von heute weniger bekannten. Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel suchten nach existenzieller Wahrheit in expressiven Formen, während Christian Schad oder Otto Dix ihre Mitmenschen mit scharfer Nüchternheit „neusachlich“ porträtierten. 

Die Präsentation zeigt, wie vielfältig die Künstler und Künstlerinnen dieser Zeit auf ihre Mitmenschen und sich selbst blickten: mal eindringlich und ex-pressiv, mal kritisch, genau und unverhohlen ehrlich. 

Fünf Aspekte gliedern die Thematik im Ausstellungsraum: 
1. Expressive Verfremdung und schonungslose Nüchternheit: Das Porträt in der Moderne 
2. Das Ich – Selbstporträts zwischen Analyse und Selbstinszenierung 
3. Das Du – psychologische Tiefenschau und soziale Netzwerke 
4. Das Miteinander – Intimität und Isolation 
5. Zwischen Natürlichkeit und Projektion: Der Akt als Menschenbild 

Ein inhaltlicher Schwerpunkt liegt auf den Arbeiten von drei Künstlern mit besonderem Bezug zu Aschaffenburg und der Region: dem 1880 in Aschaf-fenburg geborenen Ernst Ludwig Kirchner, dem 1888 in Eschau im Spessart geborenen Fritz Schaefler sowie Christian Schad, der ab 1942 in Aschaffen-burg und Keilberg lebte. Ihre Arbeiten verbinden die internationale Moderne mit regionaler Identität. 

Alle Werke gehören zur Privatsammlung Unterfranken. Die Ausstellung BLICK.FANG.MODERNE präsentiert erstmals eine Auswahl der rund 1.600 Werke umfassenden Sammlung und ermöglicht damit einen ebenso selte-nen wie reizvollen Einblick in private Sammlungstätigkeit.